re:publica 2019

tl;dr – unsere #rp19 Highlights in aller Kürze

Anfang Mai – re:publica-Zeit. Zum 19. Mal traf sich am Gleisdreieck in der Station Berlin alles, was im weitesten Sinn etwas mit Netzkultur zu tun hat. Für uns besuchten Diana und Johannes DIE Digitalkonferenz unter den Konferenzen. Hier ihr Bericht:

Wir waren am vergangenen Dienstag auf der re:publica – der wohl wichtigsten Konferenz für Netzkultur und -politik in Deutschland – oder sogar weltweit? Die Themenvielfalt der Vorträge, Workshops und Talks war wirklich beeindruckend. Daher bestand die erste Aufgabe darin, das Programmheft des Tages zu studieren und alle potentiell spannenden Slots anzukringeln. Da zeigte sich schon früh, dass sich unsere Wege trennen und wir uns voraussichtlich erst am späten Nachmittag wiedersehen würden. Getreu dem diesjährigen Motto – tl;dr (Internet-Slang für too long; didn’t read)- werden wir also unsere individuellen Eindrücke knackig, prägnant und in aller Kürze wiedergeben 🙂

tl;dr – Wie werden und wollen wir arbeiten? Selbstbestimmt, mit Freude und den gesellschaftlichen Fragen zugewandt.

Diana: „Alle Talks, die diese Frage thematisierten, waren für mich besonders interessant. Da ging es zum Beispiel im Vortrag “The Algorithmic Boss” um Algorithmen und künstliche Intelligenzen, die die Rolle des Vorgesetzten übernehmen und über Gedeih und Verderb der Mitarbeiter entscheiden. Beklemmend dargestellt am Beispiel des Fahrdienstes „Uber“ von der Tech-Ethnografin Alex Rosenblat. Die Wissenschaftlerin vom Data & Society Research Institute in New York untersucht, wie US-amerikanische Technologie-Ideologien den Weg für eine Zukunft ebnen, in der jede*r von uns eine gesichtslose Einheit als Chef*in vorgesetzt bekommen könnte. Auf der #rp19 präsentierte Alex Forschungsergebnisse aus ihrem aktuellen Buch „Uberland: How Algorithms Are Rewriting the Rules of Work“, in dem sie über vier Jahre hinweg die Erfahrungen von Uber-Fahrer*innen aus mehr als 25 Städten der USA und Kanada gesammelt hat.

Darüber hinaus wurden innovative Formen der Zusammenarbeit in Teams thematisiert – zum Beispiel in Form neu gedachter Hackathons, die mittels Spieltrieb und Freude Produktinnovationen hervorbringen, die uns allen gut tun. Die Wissenschaftlerin und Designerin Alexis Hope arbeitet unter anderem am MIT Media Lab in Cambridge und für LEGO. Sie setzt sich gemeinsam mit ihrem Team für das Einbringen partizipativer Forschungsmethoden in das Technologiedesign ein. Auf der re:publica sprach sie über ihr Projekt, die Milchpumpe mithilfe der Crowd zu “hacken”, also neu zu erfinden. Die Schlagkraft, die diese Idee mit sich brachte – gesellschaftlich und politisch – war enorm. Und ihr Vortrag “Building joyful futures” ist wirklich inspirierend.“

tl;dr -Digitale Herausforderungen für Demokratie, Informationspolitik und Bürgergesellschaft

Johannes: „Im Themenkreis Mobility & City wurde über die Zukunft der urbanen Mobilität und einen dafür notwendigen gesellschaftspolitischen Paradigmenwechsel gesprochen. Evelyn Nikutta (Vorstandsvorsitzende BVG Berlin) diskutierte u.a. mit Stephan Rammler, der als Gründungsdirektor des Instituts für Transportation Design seine wissenschaftliche Standpunkte einer zukunftsfähiger Umwelt- und Gesellschaftspolitik verdeutlichte. Lesetipp: Schubumkehr. Die Zukunft der Mobilität. S.Fischer Verlag

Äußerst hörenswert auch der Redebeitrag von Frank Rieger, (Autor, Internetaktivist, Sprecher CCC), der über Desinformation und hybride Cyberwar-Strategien sprach. Kern seines Talks auf der #rp19 waren die Konfliktzonen rund um das Netz und Digitalgeräte, in denen Nutzer*innenrechte inzwischen als Kollateralschäden in Kauf genommen werden. Die Diskreditierungen von legitimem zivilgesellschaftlichem Protest, beispielsweise gegen die aktuelle Klimapolitik oder den Artikel 13, als „ferngesteuert“ oder „instrumentalisiert“ nannte er als zwei Beispiele dafür, wie diese digitalen Konflikte zunehmend den (politischen) Alltag beeinträchtigen. Lesetipp: Cyberwar: Die Gefahr aus dem Netz. Wer uns bedroht und wie wir uns wehren können.

Wer den – für viele zentralen – Beitrag des wohl bekanntesten deutschen Interneterklärers Sascha Lobo zum Thema „Realitätsschock“ noch einmal nachsehen möchte, schaue hier, es ist lohnenswert, ernsthaft aber ebenso auch wirklich sehr unterhaltsam.

Natürlich drehte sich viel um die Demokratisierung des Digitalen, um Teilhabe, Schutzmechanismen und Netzkultur. Die Panels waren zahlreich, die interessantesten natürlich überfüllt. Trotzdem erlebten wir einen eindrucksreichen Tag mit vielen Impulsen und Ideen für uns, SpringWORK – und darüber hinaus.